Er wurde in Thailand zum Nati-Spieler und Superstar: Das ist die verrückte Karriere von U17-Weltmeister Charyl Chappuis

20 Spiele hat Charyl Chappuis insgesamt für die thailändische Nationalmannschaft absolviert, das Letzte im Jahr 2017. Bild: Rungroj Yongrit / Keystone

Noch drei Siege fehlen der Schweizer U17-Nati zum Weltmeistertitel. Es wäre, wie 2009, eine Sensation. Charyl Chappuis war damals einer der WM-Helden. Heute ist der Fussballer in Thailand so bekannt, dass Pampers einen Werbedeal mit seinem Sohn abgeschlossen hat.


Die Schweizer U17 zeigt an der WM in Katar einen beeindruckenden Lauf. Vier Siege und ein Unentschieden, ein Torverhältnis von 13:4. Nun trifft die Mannschaft von Luigi Pisino am Freitag im Viertelfinal auf Turnierfavorit Portugal.

Der bisherige Auftritt der Schweiz weckt Erinnerungen. 2009 schreibt die U17 in Nigeria mit dem WM-Sieg Geschichte. Eine Sensation. Auf dem Weg zum Titel gewinnt die Schweiz alle sieben Partien – unter anderem gegen die grossen Fussballnationen Brasilien und Deutschland, bei denen Spieler wie Neymar, Casemiro oder Mario Götze auf dem Platz stehen.

Die Wege der Helden von damals sind unterschiedlich verlaufen. Einige, wie Granit Xhaka oder Ricardo Rodriguez, spielen heute in den besten Ligen Europas und sind aus der Nati nicht mehr wegzudenken. Andere, wie Robin Vecchi oder Kofi Nimeley, schafften den Durchbruch im Profifussball nie. Und dann gibt es noch jene, die irgendwo in der Mitte stehen. Zum Beispiel Nassim Ben Khalifa, der heute in Japan sein Geld verdient. Zwar konnte er vom Fussball leben, doch für die grosse internationale Bühne reichte es nicht. In der Übersicht sehen Sie, wo die Weltmeister heute spielen.

Charyl Chappuis: Eine «Achterbahn-Karriere»

Eine Kategorie für sich ist Charyl Chappuis. Mit 21 Jahren wanderte er nach Thailand aus und avancierte dort zum Nationalspieler und Promi. Auf Instagram folgen ihm heute über 1,3 Millionen Menschen. «Meine Karriere war eine Achterbahn», sagt Charyl Chappuis im Telefongespräch.

Besser könnte er seinen Werdegang nicht beschreiben. Nach der U17-WM, an welcher Chappuis jede Minute bestreitet, öffnen sich für den damaligen GC-Junior viele Türen. So klopft Juventus Turin gleich zweimal an. Chappuis lehnt ab, aus Angst vor Heimweh, aber auch, weil er erst im Schweizer Profifussball Fuss fassen will.

Das gelingt ihm nicht. Für GC absolviert er kein einziges Spiel. Auch die Stationen in Locarno und Lugano in der Challenge League bringen nicht den gewünschten Durchbruch. Dann kommt das Angebot von Buriram United – dem erfolgreichsten Klub in Thailand. «Als sie mich mit der Businessclass einfliegen liessen und mir den Vertrag hinlegten, konnte ich fast nicht ablehnen», sagt Chappuis.

Charyl Chappuis spielte leihweise für den FC Lugano. Hier kämpft er gegen FCA-Spieler Sandro Burki um den Ball. Bild: FOTO Wagner, @foto_wagner_schweiz

In Thailand überschlagen sich die Ereignisse. Mit Buriram feiert er in der ersten Saison das Quadrupel. Plötzlich gibt der Sohn einer Thailänderin sein Debüt für die Nationalmannschaft – und trifft. Als er kurz daraufhin vier Tore zum Sieg in der Südostasienmeisterschaft beisteuert, schiesst sich der Mittelfeldspieler endgültig in die Herzen Thailands.

Chappuis wird zum Superstar. Auch neben dem Platz. Als Mischling sticht er aufgrund seines Aussehens heraus und gilt schon bald als Frauenschwarm. Chappuis kann kaum mehr aus der Wohnung, ohne erkannt zu werden.

Zehn Jahre sind seither vergangen. Mittlerweile spielt Chappuis in der zweiten thailändischen Liga bei Bangkok FC.

Heute steht Charyl Chappuis beim Zweitligisten Bangkok FC unter Vertrag. Bild: zvg

Der Wirbel um ihn ist etwas abgeflaut, obschon er mit seiner Frau, die Influencerin ist, ein Promi-Paar bildet und in der Öffentlichkeit weiterhin erkannt wird. Nun ist es aber ihr acht Monate alter Sohn, der durch TikTok-Videos vermehrt ins Rampenlicht rückt. «Er hat bereits seinen ersten Deal bekommen. Mit Pampers», sagt Chappuis.

Mehr Zeit also für Vater Chappuis, sich anderem zu widmen. Zum Beispiel der U17-WM, die er mitverfolgt. Der Weltmeister ist beeindruckt von den «dominanten» Auftritten der Schweiz. Ein besonderes Lob spricht er Mladen Mijajlovic aus, den er «kleiner Zauberer» nennt. «Er macht den Unterschied», sagt Chappuis.

Mit der überzeugenden Performance der Schweiz kommen für Chappuis die Erinnerungen von 2009 wieder hoch. Vom Final, als sich die Schweiz gegen Nigeria vor 60’000 Zuschauenden zum Weltmeister kürte. «Für mich war es eine der schönsten Zeiten, die ich je erlebt habe», sagt Chappuis. «Ohne diesen Titel wäre ich nicht dort, wo ich heute bin.»

Chappuis will Weltmeister nach Thailand holen

Auch 16 Jahre nach der Heldentat von Nigeria pflegt Chappuis noch Kontakt mit einigen seiner damaligen Teamkollegen. «Nimeley, Buess und Spiegel höre ich noch ab und zu», sagt Chappuis. Auch mit Nati-Captain Granit Xhaka tausche er sich etwa einmal im Jahr aus. Am meisten spricht er aber mit Nassim Ben Khalifa, der seit einigen Jahren in Japan und damit auf demselben Kontinent spielt. «Ich versuche gerade, ihn nach Thailand zu bringen», sagt Chappuis. Bisher erfolglos.

«Es liegt alles drin», sagt Chappuis über die Schweizer WM-Chancen. Doch einen Tipp gibt er den jungen Spielern mit: «Wir waren damals wirklich ein Team. Wir haben alle an dasselbe gedacht – gemeinsam für den Sieg.» Es sei wichtig, dass die einzelnen Spieler bodenständig bleiben.

Chappuis spricht aus Erfahrung. «In jungen Jahren habe ich sicher auch falsche Entscheidungen getroffen», sagt er. Bei all dem Ruhm seine Bodenständigkeit zu bewahren, war eine grosse Herausforderung. Eine, die er wohl auch nicht immer meisterte. Dennoch blickt er ohne Reue auf seine Achterbahn-Karriere zurück.


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Kategorien: Fussball, Portraits, Sport

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