Die Ticketpreise an der WM 2026 steigen ins Unermessliche

Fifa-Präsident Gianni Infantino und US-Präsident Donald Trump verstehen sich gut. Bild: Daniel Torok / The White House, via Wikimedia Commons

Die Fifa hat die Preise für WM-Tickets im Vergleich zu früher massiv erhöht. Dem Schweizerischen Fussballverband sind die Hände gebunden. Für Schweizer Fans dürfte die Reise nach Nordamerika also eine teure Angelegenheit werden.

Céline Feller und Robin Walz


Noch dauert es fast acht Monate, bis im Aztekenstadion in Mexiko-Stadt die Fussball-WM 2026 eröffnet wird. 28 von 48 Teilnehmer haben sich für die Endrunde qualifiziert, die Schweiz gehört (noch) nicht dazu. Die Gruppen werden am 5. Dezember ausgelost, erst dann stehen die Begegnungen fest.

Dennoch können sich Fussball-Fans bereits Tickets für alle 104 Partien ergattern. Am Montag startet die Anmeldung für die zweite Kaufphase. Die gute Nachricht: Während sich in der ersten Phase nur Karteninhaber einer Visa – dem Sponsor der Fifa – für das zufällige Auswahlverfahren bewerben konnten, steht die Option nun allen Fans offen. Die schlechte: Die Tickets sind unglaublich teuer.

Fifa gibt Preise nicht bekannt

Anders als bei den vergangenen Weltmeisterschaften hat die Fifa für die WM 2026 keine fixe Preisliste veröffentlicht. Grund dafür ist die Anwendung des dynamischen Ticketing. Kurz erklärt funktioniert dieses so: Ist eine Affiche sehr begehrt, steigen die Ticketpreise. Interessieren sich eher weniger Fans für ein Spiel – man nehme das Beispiel Klub-WM in diesem Sommer, die ebenfalls bereits in den USA stattgefunden hat – können die Preise sinken.

Da es keine offizielle Liste gibt, sind genaue Angaben zu den Ticketpreisen schwierig. Basierend auf Informationen von Fans, die in der ersten Phase Tickets kaufen und die Preise ansehen konnten, hat The Athletic eine vorläufige Preisliste zusammengestellt. Vorläufig deshalb, weil die Preise aufgrund des dynamischen Ticketing in den kommenden Verkaufsphasen weiter ansteigen könnten.

Am günstigsten sind die Tickets für die Vorrundenspiele. Diese sind ab 60 Dollar (rund 48 Franken) erhältlich, beschränken sich aber weitgehend auf die Eckbereiche in den obersten Rängen von Stadien (Kategorie 4). Tickets der Kategorie 3, die in den meisten Stadien Sitzplätze auf der obersten Etage hinter einem der Tore umfassen, kosten zwischen 120 und 280 Dollar (96 bis 230 Franken). Sitzplätze entlang der Seitenlinie und auf derselben Etage (Kategorie 2) sind noch teurer. Wer bei einem Gruppenspiel in der mittleren oder unteren Etage sitzen will (Kategorie 1), muss bis zu 805 Dollar (rund 641 Franken) bezahlen.

Mit Kanada, Mexiko und den USA findet eine WM erstmals in drei Ländern statt. Für die jeweiligen Eröffnungsspiele der drei Gastgebernationen müssen Fans tief in die Taschen greifen. So kostet das günstigste Ticket für das USA-Spiel 560 Dollar (rund 446 Franken), das teuerste 2735 Dollar (rund 2179 Franken). Generell zeigt sich, dass Tickets für Spiele in den US-Stadien teurer sind als jene in Kanada oder Mexiko.

Im Verlaufe des Turniers steigen die Preise weiter an. Wer am 19. Juli das WM-Finale im MetLife Stadion nahe New York mitverfolgen will, muss mindestens 2030 Dollar (rund 1618 Franken) hinblättern. Die teuerste Eintrittskarte beträgt 6370 Dollar (rund 5076 Franken).

Vergleicht man die Ticketpreise für die WM 2026 mit jenen der vergangenen zwei Weltmeisterschaften, fällt auf: Die Fifa hat ihre Ticketpreise massiv erhöht. In praktisch allen Phasen des Turniers sind die günstigsten Tickets, die erhältlich sind, teurer als noch 2022 in Katar und 2018 in Russland. Vom Vergleich ausgenommen sind jene Tickets, die damals ausschliesslich katarischen respektive russischen Einwohnern zur Verfügung standen und noch weniger kosteten.

Am deutlichsten ist der Unterschied, wenn man die Preise für den WM-Final betrachtet. Während die günstigsten Tickets 2018 für 455 Dollar und 2022 für 604 Dollar angeboten wurden, kosten jene für 2026 mindestens 2030 Dollar (rund 1621 Franken) und damit fast das Vierfache wie noch vor vier Jahren. Der Vergleich funktioniert auch in die andere Richtung: Das teuerste Finalticket betrug damals 1100 Dollar (2018) respektive 1607 Dollar (2022), 2026 kostet es bis zu 6370 Dollar (rund 5076 Franken).

Auch beim Eröffnungsspiel gibt es grosse Unterschiede. In Katar konnten sich Fans schon ab 302 Dollar ein Ticket ergattern. 2026 bezahlt man für das Eröffnungsspiel von Mexiko mindestens 370 Dollar (rund 295 Franken), für jenes der USA gar 560 Dollar (rund 447 Franken).

Bei den Gruppenspielen scheint es, als würden die Preise sinken. Das täuscht. Jene Tickets für die WM 2026, die in der ersten Verkaufsphase zum Preis von 60 Dollar (rund 48 Franken) verkauft wurden, waren gemäss der Recherche von The Athletic sehr rar und nur für einige Gruppenspiele erhältlich. Die Preise für Gruppenspiele in der Kategorie 4 betrugen bis zu 165 Dollar (rund 132 Franken) und damit deutlich mehr als noch zuvor.

Der SFV hat noch keine Kontingente erhalten

Eine (Preis-)Entwicklung, die selbstverständlich auch der Schweizerische Fussballverband (SFV) mitbekommen hat. Zwar ist die Nati – mit drei Siegen und einem Remis aus vier Partien und noch zwei ausstehenden Spielen – noch nicht qualifiziert für die anstehende WM. Doch die Chancen stehen gut und gewisse Abklärungen im Hintergrund sind schon im Gange.

Was kann der Verband also seinen Fans, welche die weite Reise auf sich nehmen möchten, anbieten? Kann er etwas gegen die horrenden Preise tun oder sich zumindest einsetzen?

«Stand heute haben wir auf Verbandsseite noch keine Infos zu Ticketpreisen und Kontingenten für die WM 2026 erhalten», erklärt Adrian Arnold, Kommunikationsdirektor des SFV. Dies sei aber normal, wie Arnold betont. «Detaillierte Infos erhält ein Verband erst nach einer geschafften Qualifikation respektive nach der Endrunden-Auslosung. Das ist bei Uefa und Fifa so.»

Der SFV muss die Preise annehmen und weitergeben

Klar ist aber: Dem SFV sind ohnehin die Hände gebunden. Denn wie Arnold weiter ausführt: «Auf das Ticketing und die Preise von Auswärtsspielen sowie von EM- und WM-Endrunden haben wir gar keinen Einfluss.» Der SFV hat einzig und allein für Heimspiele die Hoheit über das Ticketing, die Preisfestsetzung und die Verteilung.

Bei einem Spiel in der Qualifikation – also beispielsweise jenem am 18. November im Kosovo – muss es aber immer einen Sektor für die Gästefans geben, dessen Grösse nach Absprache mit dem gegnerischen Verband festgelegt wird.

An einer Endrunde werden für Partien mit Schweizer Beteiligung Kontingente festgelegt. Arnold: «Diese müssen an Schweiz-Fans verkauft werden beziehungsweise wir als Verband müssen einen Teil davon kaufen können.» Aber auch hier gilt: Die Preise für diese Tickets werden nicht vom SFV bestimmt, sondern vorgegeben – in diesem Fall von der Fifa.

Der SFV verdient nichts – ungeachtet des Preises

«Wünschenswert für uns ist natürlich, dass die Ticketpreise – wo auch immer im Ausland oder an Endrundenturnieren – erschwinglich für unsere Fans sind. Aber leider haben wir darauf keinen Einfluss», so Arnold. Dem Kommunikationsdirektor ist aber etwas noch wichtig zu betonen: «Wir partizipieren nicht direkt am Ticketing-Ertrag, auch nicht bei allfälligen WM-Spielen unseres Nationalteams.»

Anders sieht es bei der Fifa aus. Weil es in den USA und Kanada erlaubt ist, Tickets aufzukaufen und diese teurer weiterzuverkaufen, hat der Weltfussballverband eine Weiterverkaufsplattform ins Leben gerufen. Davon profitiert auch er selbst. Die Fifa erhält bei jedem Deal nämlich 30 Prozent des vereinbarten Preises – Verkäufer und Käufer geben je 15 Prozent ab. Ausserdem verkauft die Fifa das Vorverkaufsrecht auf WM-Tickets, woraus sie ebenfalls Profit schlagen kann. Die Fifa sagt, es sei geplant, über 90 Prozent der Einkünfte von 2023 bis 2026 an die 211 Mitgliedsverbände auszuschütten.

Stand jetzt: 1’000 Franken für fünf Spiele

Was kostet es einen Schweizer Fan, der die weite Reise nach Nordamerika angehen will, um die Nati vor Ort zu verfolgen? Auch hier ist eine klare Prognose schwierig, da sich einerseits die Preise verändern können und andererseits die Begegnungen nicht feststehen. Sprich: Sollte sich die Schweiz qualifizieren, könnte sie ihre Gruppenspiele sowohl in den USA als auch in Mexiko, Kanada oder mehreren Ländern austragen.

Für das Rechenbeispiel orientieren wir uns an den Preisen der ersten Verkaufsphase und gehen davon aus, dass die Schweiz der Gruppe C zugelost wird. Ausserdem möchte Fan X die Spiele nicht von einem Eckbereich in den obersten Rängen (Kategorie 4) anschauen, also gönnt er sich Sitzplätze in der Kategorie 3. Für die drei Gruppenspiele in Boston, Philadelphia und Atlanta zahlt er rund 350 Franken. Schafft es die Schweiz bis ins Viertelfinale, also kommen noch drei K.o.-Spiele dazu, muss der Fan mindestens rund 650 Franken zusätzlich hinblättern. Total also 1’000 Franken für sechs Spiele.

Hinzu kommen die Flüge von Zürich nach Boston und zurück. Diese kosten zurzeit knapp 600 Franken. Allein für Reise und Spiele muss ein Fan also mindestens 1’600 Franken reservieren. Nicht einberechnet sind die Kosten für die Reisen von Austragungsort zu Austragungsort sowie jene für einen Monat Unterkunft und Verpflegung. Hier dürften mehrere Hunderte, wenn nicht Tausende von Franken dazukommen. Klar ist: Die WM 2026 wird für Schweizer Fans eine teure Angelegenheit.


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Kategorien: Fussball, Sport

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